Bauwirtschaft in Brasilien – Ein Silberstreif am Zuckerhut?!

Nach vielen Jahren positiven Wirtschaftswachstums erlebt Brasilien im Nachgang der olympischen Spiele die tiefste Rezession seit über 10 Jahren mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um -3,3 % im Jahr 2016. Die Folgen für die Bauwirtschaft im Land waren trotz einiger Investitionen im Vorfeld der olympischen Spiele desaströs: 2016 gingen die Investitionen in der Bauwirtschaft um -5,6 % zurück.

Mit der Amtseinführung von Präsident Temer ist die Regierung mehr als zuvor um die Wiederherstellung politischer und wirtschaftlicher Stabilität bemüht. Die Reduzierung der öffentlichen Schulden und die Zusammenarbeit mit privaten Investoren sind die Ansätze, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen. Im Rahmen des Projekts „Crescer“ sollen 2017 zahlreiche Konzessionen im Bereich Infrastruktur an private Investoren vergeben werden. Die brasilianische Regierung erhofft sich damit Investitionen von insgesamt knapp 19 Milliarden Euro bis 2020. Auch das Wohnbau-Programm „Minha Casa Minha Vida“ wurde von der neuen Regierung wiederbelebt. 35.000 Wohneinheiten sollen bereits 2017 fertiggestellt werden. Hingegen sind insbesondere bei Bürogebäuden und im Industriebau hohe Leerstandsquoten zu verzeichnen, die wiederum zu einem Rückgang der Neubauprojekte im Nichtwohnbau führen werden.

Trotz der positiven Impulse ist die Bauwirtschaft in Brasilien ambivalent zu bewerten: Für 2017 und 2018 wird ein Gesamtwirtschaftswachstum von 0,5 % bzw. 1,5 % erwartet, welches ein Ende der Rezession bedeutet. Entsprechend wird diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Bauwirtschaft haben. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass zahlreiche Infrastrukturprojekte unter zeitlichen Verzögerungen litten und eine langfristige Planbarkeit häufig nicht möglich war. Auch hinsichtlich des Kontrasts zwischen staatlichen Programmen zur Förderung des Wohnbaus und dem Abbau der Staatsverschuldung muss sich zeigen, ob die geplanten Projekte tatsächlich umgesetzt werden können. Auch die Verwicklung der brasilianischen Baukonzerne in die Korruptionsskandale wirft Fragen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Bauwirtschaft auf. Da die eingeleiteten Initiativen und Projekte Zeit brauchen, prognostizieren wird bei B+L auch in den kommenden Jahren eine negative Entwicklung der Bauwirtschaft, wenngleich auch mit einem geringen Rückgang als in den Vorjahren. Ab 2020 hingegen erwarten wir wieder eine positivere Entwicklung mit einem Wachstum der Bauinvestitionen. Für die Investitionen in die Infrastruktur läßt sich diese Trendwende aufgrund der skizzierten Initiativen bereits etwas früher erwarten als im Wohnbau und Nichtwohnbau.

Mehr Informationen zur Bauwirtschaft in Brasilien und Lateinamerika finden Sie in unseren Basic Construction Reports und im GlobalBuildingMonitor.

Ansprechpartner

Martin Langen
Tel.: +49 228 62987-20
Email: ML@BL2020.com 

Sprache