Bauentwicklung Schweiz

Im August 2016 veröffentlichte die Schweizer Regierung eine Prognose zur Entwicklung des Personen- und Güterverkehrs. Kern dieser Prognose ist nicht nur ein deutlicher Anstieg des Verkehrsaufkommens, der in den kommenden Jahren erwartet wird, sondern auch der politische Wille in den nächsten 14 Jahren insgesamt knapp 16 Milliarden Euro in die Straßen- und Schieneninfrastruktur zu investieren. Doch diese klare Investitionszusage scheint einem anderen Trend entgegenzulaufen, der aus B+L Sicht für die Schweizer Bauwirtschaft eher eine ambivalente Entwicklung erwarten lässt. Die Schweizer Bauwirtschaft ist mit einem Anteil von ungefähr 7% des Bruttoinlandsprodukts ein wichtiger Wirtschaftszweig, sodass die für das Jahr 2016 zu erwartende Konsolidierung des Markts nach dem deutlichen Rückgang der Bautätigkeit im Jahr 2015 ein wichtiges Signal für die gesamte Volkswirtschaft ist.

Doch trotz dieser Konsolidierung prägen zwei unterschiedliche Trends die Entwicklung der Schweizer Bauwirtschaft. Während aus Sicht der B+L der Mietwohnbau vorerst attraktiv bleibt, da bei niedrigen Zinsen und gleichzeitig hoher Nachfrage attraktive Renditen realisiert werden können, lässt sich für den Nichtwohnbau hingegen ein negativer Trend prognostizieren. Die wesentlichen Treiber für diese Entwicklung sind der Tourismus sowie das Investitionsverhalten der Schweizer Unternehmen, die aufgrund der Entwicklung des Schweizer Franken zurückhaltend agieren. Im Tourismus sind die Kosten für Reisen in die Schweiz durch die Aufwertung des Franken gestiegen. In Kombination mit dem milden Winter im Frühjahr 2016 haben die gestiegenen Kosten zu einem Rückgang der Übernachtungszahlen geführt. Gleichzeitig führen Hürden bei der Einreise nicht-europäischer Touristen dazu, dass die Öffnung des Schweizer Tourismus für neue Märkte ebenfalls stockt. Zwar werden derzeit nach wie vor einige große Bauprojekte durchgeführt, die in den kommenden Jahren abgeschlossen werden (Wohnquartiere, Büroflächen und Hotels). Doch in der Folge ist aufgrund reduzierter Investitionen nicht nur ein Überangebot bei Bürogebäuden zu erwarten, sondern auch im Hotel- und Freizeitsektor geht der Bedarf zurück. Bereits seit 2015 sind die Baugenehmigungen im Nichtwohnbau um 6,8% gesunken und dieser Trend wird sich voraussichtlich mit einem Minus von 3,5% im Jahr 2016 fortsetzen.

Im Bereich des Wohnbaus geht die B+L für 2016 von einem leichten Anstieg der Genehmigungen um 0,9% im Vergleich zu 2015 aus. Allerdings wird sich dieser Trend mittelfristig umkehren und in einen deutlichen Rückgang der Genehmigungen in den folgenden Jahren münden. Aufgrund der reduzierten Zuwanderung (wir müssen bis 2020 von einer Halbierung ausgehen) in den kommenden Jahren, ist von einer reduzierten Nachfrage und infolgedessen von einem Rückgang der Wohnbautätigkeit auszugehen. Die Entwicklungen im Wohnbau und im Nichtwohnbau unterliegen nicht nur unterschiedlichen Einflussfaktoren, sondern laufen zudem zeitversetzt ab, sodass auch die Fertigstellungen, laut den aktuellen B+L Berechnungen, zeitversetzt zurückgehen und für den Nichtwohnbau ab 2016 und für den Wohnbau erst ab 2019 ein Rückgang erwartet werden kann. Um die Verfestigung dieser Prognose rechtzeitig zu erkennen, aktualisiert die B+L alle drei Monate die Prognosen, die den Kunden im GlobalBuildingMonitor zur Verfügung stehen.

Einzig die eingangs geschilderten Infrastrukturinvestitionen scheinen also dem Abwärtstrend zu trotzen und senden positive Signale für die gesamte Schweizer Bauwirtschaft. Insgesamt lässt sich für die Schweizer Bauwirtschaft ein leichtes Wachstum prognostizieren, dass jedoch für das Jahr 2016 deutlich unter 1% im Vergleich zum Vorjahr bleibt. (MD; Stand 10/2016)

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